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Igor Mitoraj — Artcurial Editionen

Die Artcurial-Editionen gehören zu den bedeutendsten Kleinbronzen in Igor Mitorajs Werkverzeichnis: eine Serie limitierter Multiples in Zusammenarbeit mit dem Pariser Kunstverlag Artcurial, jede in einer Auflage von 250 Exemplaren, jede vom Künstler signiert und mit einem Artcurial-Echtheitszertifikat ausgegeben. Entstanden von den späten 1970er- bis in die 1980er-Jahre, repräsentieren sie das früheste Kapitel von Mitorajs ernsthafter Marktpräsenz.

Artcurial wurde 1975 in Paris gegründet, zunächst als Gemeinschaftsunternehmen bedeutender französischer Kulturinstitutionen einschließlich des Centre Georges Pompidou. Für Mitoraj, damals ein aufstrebender polnischer Bildhauer zwischen Paris und Pietrasanta, bot die Artcurial-Zusammenarbeit institutionelle Legitimität, Marktinfrastruktur und einen Weg, seine Werke in private Hände zu geben.

Die Editionen gehören heute zu den begehrtesten Kleinformat-Mitoraj-Werken auf dem Sekundärmarkt. Sie stammen aus der Zeit vor seinem größten Ruhm und tragen die besondere Energie früher Arbeiten: reiner, unmittelbarer, dem ursprünglichen bildhauerischen Impuls näher.

Die Mitoraj–Artcurial-Zusammenarbeit

Mitoraj kam Anfang der 1970er-Jahre nach Paris, nachdem er an der Krakauer Kunstakademie bei Tadeusz Kantor studiert hatte. Die Zusammenarbeit mit Artcurial begann in den späten 1970er-Jahren mit Tête Secrète (1978), gefolgt von Kea (1979). Weitere Editionen — Prométhée, Argos und Visage Enviolé / Visage Bandé — folgten in den 1980er-Jahren und bilden gemeinsam ein kohärentes Körper kleiner Bronzen, der die Entwicklung von Mitorajs primären Themen dokumentiert: der verhüllte Kopf, das archäologische Fragment, das teilweise von Verbänden oder der Zeit verschluckte Gesicht.

Die Editionen

Jahr: 1978 · Größe: ca. 12 cm · Auflage: 250 · Patina: Gold-poliert · Sockel: Schwarzer Marmor

Tête Secrète (1978)

Die früheste und berühmteste der Artcurial-Editionen. Tête Secrète — Geheimes Haupt — zeigt eine kleine ovale Schädelform, vollständig verhüllt, mit einer warmen Goldpatina behandelt. Keine Züge sind durch die Bandagierung sichtbar. Der schwarze Marmorwürfelsockel verankert die organische Form des Schädels mit architektonischer Präzision. Auflage: 250, 1978.

Jahr: 1979 · Größe: ca. 12–15 cm · Auflage: 250

Kea (1979)

Kea — nach der griechischen Insel benannt — ist die zweite datierte Artcurial-Edition (1979). Ein kleiner Kopf im hellenistischen Stil mit der charakteristischen verwitterten, ausgegrabenen Qualität von Mitorajs reifem Stil. Auflage: 250.

Auflage: 250 · Patina: Silber · Sockel: Schwarzer Würfel

Prométhée

Prométhée kondensiert das mythologische Thema in eine kleine Bronze eines bandagierten Kopfes mit verschränkten Armen. Die silberne Patina gibt dem Werk eine kühlere, strengere Wirkung als die goldene der Tête Secrète. Auflage: 250.

Auflage: 250 · Motiv: Kopf mit sichtbarer Nase und Braue

Argos

Argos — nach dem vieläugigen Riesen der griechischen Mythologie — zeigt einen Kopf, bei dem die prägenden anatomischen Merkmale teilweise sichtbar bleiben: Nase und Braue ragen aus der Bandagierung hervor. Auflage: 250.

Maße: 11,5 × 11 × 7 cm · Auflage: 250 · Patina: Silber-Zinn · Lippen durch Bandagierung sichtbar

Visage Enviolé / Visage Bandé

Visage Enviolé zeigt ein Gesicht, bei dem die Lippen teilweise durch die Bandagierung sichtbar sind. Die Silber-Zinn-Patina verleiht dem Werk eine archaische Qualität. Auflage: 250.

Identifikation einer Artcurial-Edition

Echte Artcurial-Mitoraj-Editionen tragen eine eingravierte oder gestempelte Signatur (igor mitoraj oder MITORAJ) auf der Unterseite oder Rückseite, die Auflagennummer im Format n/250, einen Artcurial-Stempel auf dem Sockel sowie einen schwarzen Marmorwürfelsockel für die meisten Editionen. Das originale Artcurial-Echtheitszertifikat identifiziert Werktitel, Künstler, Auflagennummer und Verlag.

Marktwert

Vollständig dokumentierte Artcurial-Editionen erzielen bei Spezialauktionen typischerweise zwischen 800 und 3.500 Euro, je nach Stück, Zustand und Dokumentationsvollständigkeit. Tête Secrète und Kea tendieren wegen ihrer frühen Datierung und ihrer besonderen Resonanz zum oberen Ende dieser Spanne. Unvollständige Exemplare ohne Zertifikat werden mit einem Abschlag von 20–40 % gehandelt.

Wichtige Auktionsplätze sind Artcurial (Paris), Sotheby’s Paris, Bonhams sowie die italienischen Spezialhäuser Wannenes, Pandolfini und Cambi.

Sammlerhinweise

Artcurial-Editionen sind keine minderwertigen oder voräufigen Versionen größerer Werke; sie wurden als vollständige Skulpturen konzipiert und im Kleinformat ausgearbeitet. Sie enstammen der Zeit vor Mitorajs weltweitem Ruhm und sind für Sammler, die an der Entwicklung seines Schaffens interessiert sind, zugleich begehrte Objekte und historische Dokumente. Eine vollständige Serie aller fünf Editionen ist ein realistisches Sammlerziel; Exemplare mit Originalzertifikat sollten bevorzugt werden.

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